05 -2000
VOM SPIELEN .

Ohne erkennbaren Grund, der Herr im dunkelblauen Sakko, rotstreifiger Krawatte und heller Hose erweckte leise Aufmerksamkeit. Es ist kurz nach Mitternacht mit nachtschwarzem Blick zum See. Durch die verglaste Fassade sommerliches Blinken dort oben, irgendwelcher Sterne. Hinzu der gleichmäßige Lauf der Kugel, ihr Klackern, unaufgeregtes Reden und Ansagen der Croupiers. Das Spiel am Tisch 2 läuft wie milde Unendlichkeit.
Der Herr steht seitlich vom Kopfcroupier des französischen Tisches, neben der roten Chance. Gekonnt, aber unpassend wie ein frisches "Grüß Gott", schlenzt er einen tausend Mark Jeton auf Rot. Nun, es kommt Schwarz. Unmerklich ruckt es in ihm. Wieder gefaßt, dann aber sichtbar zuversichtlich greift er in seine Tasche und spielt: Tausend auf Rot. Erneut kommt Schwarz. Mit Nachdruck, er drückt den Jeton in den gepolsterten Filz, setzt er nun Tausend auf Schwarz - es hilft nichts: 12 Rot, Pair, Manque. Diesmal zuckt es in ihm, wiederum unmerklich, aber scharf wie ein Peitschenhieb.
Das letzte Gefecht: er setzt noch zwei Mal Schwarz, es kommt zwei Mal Rot. Der Herr schluckt unmerklich, steht zwei Sekunden fassungslos unentschlossen und geht - so still wie gekommen.

Der Herr spielte die Avant-derniére, also das Nachsetzen auf den vorletzten Coup; beim fünften Coup bricht er ab, und führt das Spiel auf Schwarz fort. Diese Inkonsequenz beendet zwar sein Spiel mit dem Verlust des fünften Stückes, ist aber nicht die eigentliche Ursache des Desasters. Das Spiel entscheidende Verhängnis findet sich - wie so oft - im Vorfeld des Spiels, und kann viele Gründe haben.

SPIELKAPITAL : Die meisten Spieler machen sich über diesen grundlegenden Aspekt so gut wie keine Gedanken: man hat das Geld zum Spiel, woher auch immer !?
Es ist jedoch ein wichtiger Unterschied, ob das Kapital für das Spiel erbracht werden muss, oder ob es wirklich zur freien Verfügung steht. Der Spieler, der etwa mit Geborgtem aus der Portokasse oder dem Girokonto spielt, zeigt zwangsläufig anderes Spielverhalten:
Er darf nämlich NICHT VERLIEREN !
Anders beim Spieler, der unbeschwert aufspielen kann. Bei gleicher spielerischer Qualifikation ist sein Spiel weit überlegter und entspannter, zudem reichen ihm wenige Stücke Gewinn - ein extra Plus !
Wer erfolgreich spielen will, sollte über ungebundenes Kapital verfügen, alles andere ist Selbsttäuschung. Vorsichtige Spieler teilen sich ihr Kapital zudem noch ein: bei 5000.- DM hinterlegen sie etwa 3000.- DM als Reserve, lediglich 2000.- DM dient ihnen als aktive Masse, und nur diesen Betrag haben sie im Casino bei sich.

GRÖßE und ANZAHL der STÜCKE richten sich dagegen nach der Spielmethode. Egal ob Einfache oder Höhere Chancen, der Spieler kommt nicht umhin, den Stückebedarf seiner Spielmethode zu ermitteln. Durch Überprüfung seines Systems mittels Permanenzen und theoretischer Modelle finden sich Richtwerte für das praktische Spiel. Ein gut vorbereiteter Spieler weiß also schon vorher, wie das Spiel im ungünstigsten Falle verläuft. Doch damit nicht genug, auch für den Gewinnfall kennt er die Grenzwerte und kann somit KALKULIERT spielen.
Die Stückgröße ist aber auch ein wirtschaftlicher Faktor. So interessant und anregend ein Spielbankbesuch sein mag, für den Spieler soll sich die Unternehmung ja lohnen. Spielt man zur Zerstreuung, so ist eine Stückgröße von 5.-DM auf Einfachen Chancen nie verkehrt, spannend bleibt es allemal. Soll sich das Spiel rechnen, so ist eine Stückgröße von 50.- bzw. 100.- DM angebracht. Bei einem Spielkapital von 2000.- DM kann der Spieler also mit 20 oder 40 Stücken spielen. Spielt er brav im Gleichsatz, zeitweilig vielleicht mit einer schwachen Gewinnprogression, so ist eine Stückzahl von 40 Jetons bei Einfachen Chancen ausreichend.

Der Herr von Tisch 2 war sich seiner Sache nicht sicher, sein Spiel war nicht kalkuliert; auch seine flotte Geste konnte darüber nicht hinwegtäuschen. Mit fünf Stücken die Avant-derniére zu spielen ist ein kühnes Unterfangen. Möglicherweise war ihm das sogar bewußt, er hat es trotzdem riskiert - AUF GUT GLÜCK - aber warum ?

Diese Begebenheit aus dem "Casino am See" liegt nun zwanzig Jahre zurück und ist, wenn auch nicht in dieser Form so doch dem Wesen nach, immer wieder zu beobachten: Der Durchschnittsspieler spielt UNVERHÄLTNISMÄßIG und folglich mit zu HOHEM RISIKO !
Gerät der Spieler in eine für ihn unverhältnismäßige Situation, etwa während eines Spielverlaufs, so ist er gut beraten, diese Herausforderung nicht anzunehmen und das Spiel zu unterbrechen. Zu seiner Überraschung wird er dann vielleicht bemerken, daß sich die "
GUTEN MÖGLICHKEITEN ZUM SPIEL", beim Roulette immer wieder einfinden und nicht ausgehen können !

SPIELSYSTEME oder SPIELMETHODEN scheinen für den Spieler eine unverzichtbare Hilfe. Leider taugen die meisten davon überhaupt nichts, und wenn, dann eben nur zur Hälfte. Im nachfolgenden Beispiel, die Permanenz stellte uns freundlicherweise die Spielbank WIESBADEN zur Verfügung, wird dieser Sachverhalt deutlich.

Im Beispiel A haben wir die Avant-derniére im Gleichsatz gespielt und beenden das Spiel nach dem 28. Coup mit einem negativen Ertrag. Spielen wir die gleiche Permanenz nach der SIMPLE TREND - Methode , so erhalten wir in Beispiel B ein recht ansehnliches Ergebnis.
Es wäre jetzt aber ein Irrtum zu meinen, SIMPLE TREND sei das bessere System. Richtig ist vielmehr: für den gleichen Spielabschnitt zeigt SIMPLE TREND - und nur in diesem Fall - das bessere Ergebnis. Würden wir eine andere Permanenz spielen oder an anderer Stelle mit dem Spiel beginnen, erhielten wir auch andere Werte. Die komplette Permanenz des Spiels mit 299 Coups finden Sie auf der Permanenzseite der Spielbank WIESBADEN im CASINO-Guide .

Die Avant-derniére ist ein Klassiker und steht für das eigentliche Tendenzspiel. Mit dem Nachspielen auf den vorletzten Coup, werden sowohl alle größeren Serien als auch Intermittenzen nach dem zweiten Coup erfasst. Glatte Zweier-Serien oder mit Zweier-Serien durchsetzte Morse-Tendenzen fordern allerdings ihren Tribut - das Spiel wird nervös und ineffizient.
SIMPLE TREND ist das Spiel für die Pro-Serientendenz, aber auch hier wird es problematisch, wenn gehäuft glatte Dreier-Serien auftreten.
Jedes starre System hat unabdingbar Schwächen und Stärken, je nach Laune des Zufalls. Das überlegene System im klassischen Sinne ist daher nur zeitweise möglich. Die Methode : das Spiel mit Kalkül im
GEWINN ZU BEENDEN , ist hingegen zeitlos und die beste Alternative.

CASINO-Magazin 15.05.2000

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