04 -2000
GREEN CARD .

Daß die Zukunft in Deutschland keine große Zukunft hat und bis auf weiteres keine haben wird, verdeutlicht die Diskussion um die digitale Bildungskatastrophe. Von oben nach unten und zurück, es hat sie allesamt kalt erwischt - unnötigerweise und nicht ganz zu Unrecht.

Allen voran die Wirtschaft, vornehmlich die Großen der Branche - seit Jahrzehnten mit Rationalisieren und Absahnen beschäftigt - sah, wozu auch, keinen Bedarf in Ausbildung und Neuentwicklung im digitalen Sektor. Ihre Rechnung: Andere entwickeln die Zukunft und wir kaufen sie dann billig ein, geht nun nicht auf. Recht spekuliert, aber zu kurz gedacht.

Auch die Politik, delikaterweise noch in der Amtszeit des ersten und letzten Zukunftsministers - zur Zeit reimt er: Inder, auf Kinder - positionell im Einklang mit der Industrie, wollte oder konnte keine fernere Zukunft erblicken.
Der agierende Kanzler Schröder zieht nun - wiederum auf Wunsch der Wirtschaft - die Greencard, die ausgespielt, nur noch ein Schwarzer Peter sein wird.
Und Unten? Da ist die Not am Größten: man genügt nämlich den Anforderungen nicht mehr.

Mit zunehmender Taktrate vergrößert sich dabei das digitale Loch an den deutschen Universitäten, Forschungs- und Entwicklungszentren. Nur wenigen, die sich außerhalb der Institution - aus eigenem Antrieb und ohne Subvention - weitergebildet haben, gelang zumindest der Anschluss. Eigeninitiative und ein modulares Bildungskonzept sind von Nöten, auch soll Unternehmen die ausländische Spezialisten beschäftigen wollen, eine Ausbildungsverpflichtung abverlangt werden.
Zurück bleibt vielleicht die Erkenntnis: das System der betulichen deutschen Selbstgefälligkeit eignet sich nicht für das große Spiel im Casino dieser Welt.

Entspannung und Ablenkung vom digitalen Stress erfahren wir im kleinen Casino hingegen am großen Roulette. Spielt man nicht gar zu unbedarft und erkennt beizeiten den Trend, ein wenig Risikobereitschaft vorausgesetzt, kann auch diese Unternehmung ertragreich sein.
Unterhaltsam und spannend ist aber auch das Studium roulettewissenschaftlicher Lektüre. Das (Roulette-) Gesetz der
SERIE und der GROßEN ZAHL oder des RELATIVEN AUSGLEICHS haben wir bereits erörtert. Was es mit dem Gesetz des ECARTS auf sich hat, soll uns diesmal beschäftigen.

Das GESETZ DES ECART (Abweichung) leitet sich aus dem Gesetz des Ausgleichs ab. Denn, soll sich etwas ausgleichen, so muss Abweichung vorhanden sein.
Beim Roulette ist damit die mengenmäßige Abweichung zum Beispiel von schwarzen und roten Zahlen eines Spielabschnitts gemeint; die Differenz zwischen SCHWARZ und ROT bezeichnet man dabei als den
ABSOLUTEN ECART.

Eine Spielstrecke von 16 Coups mit 2 schwarzen und 14 roten Zahlen hat folglich einen absoluten Ecart von 12. Die vorauseilende Chance ist dabei die DOMINANTE und die zurückbleibende die RESTANTE; der absolute Ecart für Schwarz ist NEGATIV (-12), der für Rot POSITIV (+12).

Der absolute Ecart ist für den Spieler nicht weiter interessant, da eine Spielfolge von 86 mal Schwarz und 74 mal Rot innerhalb 160 Coups ebenfalls einen absoluten Ecart von 12 aufweist und somit auch keine andere Wertigkeit hat.
Setzt man jedoch den absoluten Ecart mit der Anzahl von Spielen ins Verhältnis so wird der RELATIVE ECART oder
STATISTISCHE ECART ermittelt , und dieser hat für viele Spieler einen ganz anderen Wert.

Der französische Roulettetheoretiker Marigny de GRILLEAU errechnete für die EINFACHEN CHANCEN den statistischen Ecart wie folgt :

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Das Verhältnis des ABSOLUTEN ECART Eabs zur Wurzel aus Anzahl Coups N ergibt einen Wert der zwischen 0 und 6 liegen kann.
Ein statistischer Ecart
Estat von 6 wurde allerdings beim Roulette noch nie notiert; dieser Wert entspräche einer 36er-SERIE auf den Einfachen Chancen.

Die bislang längste Serie von 29mal PASSE wurde angeblich in Monte Carlo beobachtet, mit oder ohne Zero ist dabei nicht bekannt. Da bei einer Serie Coupanzahl und absoluter Ecart übereinstimmen, kann der statistische Ecart direkt aus der Quadratwurzel der Serienlänge berechnet werden. Der statistische Ecart von 29mal PASSE beträgt 5,385 und ist ein äußerst seltener Wert , durchschnittlich kommt so ein Ereignis alle 1,073 Milliarden Coups vor.

Bei einer Spielstrecke von 16 Coups mit einem absoluten Ecart von 12, wie oben angeführt, ergibt sich ein statistischer Ecart von 12 : 4 = 3 .
Im Beispiel mit 160 Coups - mit gleichem absoluten Ecart - errechnet sich hingegen nur ein
statistischer Ecart von 12 : 40 = 0,3 .
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Die sich nun anbietende Folgerung : je höher der statistische Ecart , um so WAHRSCHEINLICHER ist das Eintreffen der zurück gebliebenen Chance (Restante) ist jedoch FALSCH ! Die prinzipielle Gleichwahrscheinlichkeit der Chancen besteht nach wie vor. Die Annahme, bei hohem statistischen Ecart sei das Spiel auf die Restante hingegen AUSSICHTSREICHER, ist eine persönliche und somit nicht ganz unrichtig.
Roulette-Experten wie GRILLEAU empfehlen bei einem statistischen Ecart von
3 das Spiel auf die Restante, andere halten gar einen Wert von 3,5 bis 4 angebracht.

Für das Spiel auf die Einfachen Chancen zeigt die nachfolgende Tabelle die Häufigkeiten von RESTANTE und DOMINANTE, die einen STATISTISCHEN ECART von 3,0 ergeben.
Zum Beispiel: Nach dem 36. Coup - bei 9mal Schwarz und 27mal Rot - liegt ein statistischer Ecart von 3,0 vor. Nach Grilleau könnte jetzt also auf Schwarz gespielt werden.

Das Spiel auf den Negativen Ecart einer Chance ist wesentlich ein Spiel auf den AUSGLEICH, eine ausreichende Kapitalausstattung und starke Nerven sind daher angebracht. Die Austattung des ECARTSPIELERS, bezüglich Wahrnehmung und Handlungsmuster, ist möglicherweise eine andere als beim TENDENZSPIELER. Dieser investiert in aller Regel zu Spielbeginn, um die Tendenz zu erfassen und zu spielen. Zunehmender Ecart gestaltet solche SPIELART dann geradezu ertragreich , vermutlich nicht nur am GRÜNEN TISCH.

CASINO-Magazin 15.04.2000

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