12 -1999
FAKTOR - X .

Studiert man die Bilanzen der Spielbanken und vergleicht diese mit der statistischen Erwartung der Erträge, zeigt sich Interessantes: Die ausgewiesenen Gewinne sind ein vielfaches größer als die errechneten. Mit anderen Worten, der Spieler verliert im Durchschnitt mehr als vorgesehen.

Diese Tatsache deckt sich weitgehend mit den Ergebnissen einer Untersuchung über Spielverhalten, die das CASINO magazin am französischen Roulette anhand einer Computersimulation durchgeführt hat. Die Teilnehmer des Tests spielten dabei alle die gleiche Permanenz und (scheinbar) um echtes Geld. Das Spiel-/ Banklimit wurde auf 1000.-DM (+ /-) vor Spielbeginn festgelegt - ansonsten gab es keine Beschränkungen. Die Spiele eines jeden Spielers wurden dabei komplett aufgezeichnet und später in einem "Nachspiel" vom Spieler selbst kommentiert.

Eine erste Analyse zeigt, dass die überdurchschnittlichen Verluste der Spieler vor allem aus menschlichem (Fehl-) Verhalten resultierten. Begründugen wie: "Da hatte ich keine Lust mehr" , oder ehrlicher: "Da fehlte mir der Mut zum Weiterspielen" , oder auch: "Da musste ich progressieren, ich habe das vorige Spiel verloren", und : "Diese Chance ist solange nicht gekommen, die muss doch endlich kommen" verdeutlichen das. Wobei Letzteres mehr in die Kategorie "Unkenntnis der Materie" und unangepasstes Spielverhalten einzuordnen ist.

Die größten und schnellsten Verluste ergaben sich (wie erwartet) beim impulsiven Spielertyp - der, ausgestattet mit großer Unkenntnis und haltloser Gewinnerwartung (Optimismus), auch als erster das Spiel beenden musste.

Unerwartet schlecht erging es auch den filigranen Roulette-Spezialisten. Sie verspielten ihre Spiele (im wahrsten Sinne des Wortes) mit enormer Sachkenntnis und dem gezielten Herausarbeiten und Nicht-Treffen von Chancen. Sie scheiterten an ihrer maßlosen Selbstüberschätzung und ihrem scheinbaren Wissen. Vor lauter Spielen vergaßen sie das Gewinnen !

Überdurchschnittlich gute Ergebnisse hingegen erzielten Spieler mit recht simplen Spielmethoden und reduziertem Spielverhalten. Dem Spielverlauf dieser Spieler ist sehr deutlich zu entnehmen, daß sie vorsichtiges und entschiedenes Spielen zugleich beherrschen. Ihre Spielabschnitte (vorwiegend Einfache Chancen) zeigen im Gewinnfall ein durchgehend progressives Spiel, bei Verlust dagegen vorsichtiges und unterbrochenes Spiel. Diese Feststellung wird von den Spielern im Nachspiel auch so kommentiert.

Inwieweit dieses Ergebnis repräsentativ ist, wird sich erst mit zunehmender Anzahl der Tests zeigen. Im Gespräch mit den Erfolgsspielern zeichnete sich aber Übereinstimmung mit dem Trend der Untersuchung ab.

Das größte Problem beim Roulettespiel sagt Spieler A , das sei man selbst. Der FAKTOR-X , oder der menschliche Faktor entscheidet, ob man das Casino als Gewinner oder Verlierer verlässt.

Zustimmend ergänzt Spieler B: Natürlich ist es wichtig, Spielsysteme zu kennen, aber im Spiel muß ich entscheiden können, wann und mit welchem System ich arbeite. Diese Entscheidung kann nicht einem System überantwortet werden, dafür ist die Materie zu komplex und einfach zugleich. Wer sich hinter einem starren System versteckt, der wird zwangsläufig verlieren und hat das Roulette nicht verstanden. Denn jedes Spiel ist ein Spiel mit offenen Ausgang und jedes Spiel ist eine Herausforderung des Unerwarteten und bedarf einer Antwort , darüber sollte sich der Roulettespieler im Klaren sein.

Spieler C: Jeder professionelle und erfolgreiche Spieler hat sich sein System selbst erarbeitet und diesen Faktor-X, also sein persönliches spieltypisches (Fehl-) Verhalten in sein System integriert. Für den Spieler ist es einfach notwendig nicht nur die Schwachstellen des Systems zu kennen, sondern auch die seines Verhaltens.

Spieler A: Das ganze Systemangebot ist überbewertet. Spielt der Spieler ein ihm nicht verständliches System, wird er auf Dauer verlieren. Die Kunst des erfolgreichen Roulettespielens liegt darin, sich immer wieder aus dem Spiel zu nehmen, also nicht zu spielen. Das ist das schwierigste und ungefähr so, als müsste man kurz vor dem Höhepunkt beim Liebesakt aufhören; nur wer sich so disziplinieren kann, hat beim Roulette eine Chance.

Spieler B: Sehen Sie (zeigt auf einen Spielabschnitt in seiner Permanenz). Die Entscheidung hier mir dem Spiel zu beginnen, wurde im (virtuellen) Casino anhand eigener Einschätzung getroffen, kein System der Welt kann das. Das Spiel auf das Unerwartete kann auch nicht punktuell gespielt werden. Der Spieler muss also schon vorher wissen, wie er bei Verlust / Gewinn spielt, und wann er das Spiel abbricht. Diese Verhaltensregeln erabeitet man sich außerhalb des Casinos und nicht erst am Spieltisch.

Spieler C: In offenen Spielerkreisen bewegt sich in dieser Richtung etwas. Über das unverlierbare System wird mittlerweile nur noch geschmunzelt. Erst neulich sprach mich ein Spieler nicht mit: "Welches System spielst Du heute" , sondern ganz einfach mit: "Hast du Glück" an - und das machte mich so richtig glücklich.

Sehr verehrte Dame, meine Herren , wir bedanken uns für Ihre Mitarbeit und das offene Gespräch. Wir wünschen Ihnen schöne Feiertage und eine glückliche Hand im Neuen Jahr - und das nicht nur beim Spiel. Dies wünschen wir natürlich auch allen unseren Lesern.

CASINO-Magazin 15.12.99

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