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08 -1999
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PHÄNOMENE.
Die Wahrnehmung an sich ist ein sehr komplexer Vorgang. Neben der Fähigkeit Dinge aufzunehmen, kompliziert sich dieser Prozess noch durch die Auswertung und Interpretation des Wahrgenommenen. Beim Menschen bildet dieser Verarbeitungs- und Zuordnungsprozess mithin die Grundlage zu Sprache, Kultur und Erkenntnis. Wahrnehmungen, die sich unserer Zuordnung entziehen und die wir uns nicht erklären können, bezeichnen wir als Phänomene. Möglicherweise wissen wir schon zu viel und erleben die Welt zu sehr aus unserem Wissen. Die Fähigkeit eigener Wahrnehmung und Beobachtung weicht dabei der nicht unbedingt vorteilhaften Anhäufung von Wissen. Wissen ist nicht etwas Absolutes. Wissen und Erkenntnis sind Erklärungsversuche mit denen wir - zugegebenermaßen - ganz zufriedenstellend umgehen und leben können. Wissen ist vorläufig und gibt nur scheinbare Sicherheit. Ein Phänomen der einfacheren Art vermeldet uns ein Leser aus einem Casino mit 10 Roulettetischen im Spielbetrieb. Er schreibt: Seit 8 Jahren besuche ich regelmäßig ein bestimmtes Spielcasino ... Seit einiger Zeit beobachte ich, daß allein an einem Spieltag unzählige Male, manchmal an 5 Spieltischen gleichzeitig, die gleiche Zahl fällt oder deren Nebenzahlen. Sicherlich ist so ein Zufall möglich! Da dieses Phänomen aber ständig zu beobachten ist, und ich dadurch sehr verunsichert bin, stelle ich an Sie die Frage ... Phänomene dieser Art versuchen wir zu lösen, indem wir sie ANDERS SEHEN als sie sich ZEIGEN. Wir lassen dabei an 10 Roulettetischen, virtuell oder real, jeweils einen Coup spielen. Anschliessend notieren wir die Gewinnzahlen von links nach rechts, oder umgekehrt. Diese Zahlenfolge deklarieren wir nun als Spielfolge oder als eine Permanenz mit 10 Coups. Das Querlesen der Ereignisse und das Wandeln in eine Permanenz ist legitim. In der Spielfolge kann es sich dabei nur um einen " zufälligeren Zufall " handeln - sofern es so etwas gibt - als ihn ein einzelner Roulettekessel erzeugen könnte. Das Phänomen, nun als Permanenz vorliegend, ist somit keines mehr. Anhand der Binomialverteilung wissen wir, dass durchschnittlich bereits nach dem 9.ten Coup die erste Zahlenwiederholung fällig ist. Auf unseren Fall angewandt, bedeutet dies: Sind 10 Spieltische gleichzeitig in Betrieb, so fällt durchschnittlich bei jedem Kugelwurf an 2 Tischen die gleiche Zahl. BEISPIEL A : An zwei von zehn Tischen kommt die Zahl 20. BEISPIEL B : An 2 Tischen fällt die Zahl 30, an zwei weiteren die Zahl 18. BEISPIEL C : An drei von zehn Tischen gewinnt die Zahl 26. - Bei der Binomialverteilung handelt es sich um Durchschnittswerte. Es muss daher nicht - innerhalb von 10 Coups - eine Zahlenwiederholung stattfinden. Die Zahlenfolge der Beispiele haben wir kurzerhand am Rechner ermittelt und tatsächlich an 10 virtuellen Tischen ausgespielt. Machen Sie sich den Spaß und überprüfen Sie das "Phänomen" doch einmal anhand authentischer Permanenzen. Würden wir unsere Methode auf 61 Tische ausweiten und anwenden, so kommt durchschnittlich an 5 Tischen die gleiche Zahl. Bei 41 Spieltischen kommt die gleiche Zahl im Mittel viermal und bei 23 Tischen dreimal. Das eigentliche Phänomen - der Leser ahnt es - liegt nicht in der Häufigkeit, sondern darin, dass ZUFALL GESETZMÄßIGKEIT HAT ! CASINO-Magazin 15.08.99 |
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