05 -1999
GLÜCK - SPIEL - SUCHT .

Glücksspielsucht, insgesamt gesehen ein unglückliches Wort. Gemeint ist damit die Abhängigkeit vom Glückspiel. Glück und Spiel - beides Positiv - in Verbindung mit Sucht, da besucht man das Casino ja nur noch unter Vorbehalt.

Aber Glück ist Glück, auch wenn wir unterscheiden: Großes, kleines, unglaubliches oder sonstiges Glück. Das Glück im Glücksspiel ist also kein leichtes oder billiges Glück.
Natürlich ist es fatal, sein Glück ausschliesslich im Glücksspiel zu suchen, dafür ist das Leben nun doch zu groß - oder philosophisch, das Glücksgefühl hat weniger mit den Glücksgütern sondern wesentlich mit der GLÜCKSFÄHIGKEIT des Menschen zu tun, und diese Fähigkeit ist ein Perönlichkeitswert.

Das Spiel an sich sieht man als eine Tätigkeit, die aus Freude an ihr selbst geschieht und auch sonst keiner praktischen Zielsetzung unterliegt. Das ungebundene, freie Spiel bietet uns daher die wunderbare Möglichkeit, uns SELBST zu sehen (und vielleicht auch zu finden).

Ob Global Player, Zocker an der Börse oder Spieler im Casino, spielerische Selbstfindung oder Glückssuche ist bei diesen Tätigkeiten weniger angebracht - hier geht es vorrangig um Existenz, Werte, Geld. Unternehmungen dieser Art erfordern Wissen und Sachkenntnis.
Werbend überschreiben Glückspielunternehmen diesen Umstand dann gern mit Schiller: "Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt" - fragender scheint uns da doch Sartre: "Vielleicht muss man wählen: nichts zu sein oder zu spielen, was man ist".

Mit Dostojewskiys Roman "Der Spieler" wissen wir, was für Abgründe sich beim Glücksspiel eröffnen können. Weniger bekannt hingegen ist die Tatsache, daß übermäßiges Glücksspielen Abhängigkeit erzeugt, erzeugen kann. Nach Einschätzung von Experten (Mayer & Bachmann) liegt die Zahl der beratungs- und behandlungsbedürftigen Glücksspieler allein in der BRD bei 100.000-120.000. Eine weitere Studie von 1995 (Denzer & Petry) zeigt, daß es sich dabei fast ausschließlich um männliche Personen handelt (94,1%), schwerpunktmässig im Alter von 30 Jahren.
Zum besseren Verständnis sei angemerkt, dass Glücksspielsucht eine stofflich ungebundene Form von Sucht ist, Alkoholabhängigkeit zählt hingegen zu den substanzgebundenen Suchtformen - oder anders, auch Tätigkeiten können abhängig machen.
Eine höchstrichterliche Anerkennung der Glücksspielsucht als Krankheit steht noch aus.

Diese Fakten zu relativieren ist wenig sinnvoll, wichtig ist zu wissen, daß es abhängiges Glückspielen gibt - und, daß den Betroffenen geholfen werden kann.

Der rasante Anstieg der Glücksspielsucht kann nicht nur dem erweiterten Spielangebot zugeschrieben werden, auch Nachfrage und Angebot bedingen sich. Nachdenklich sollte machen, daß ca.93% der abhängigen Glückspieler hauptsächlich am Automaten spielen, dieser weist mit 7,7% Minus auch noch die geringste Gewinnerwartung auf - an der fehlenden Krawatte kann das nicht liegen.

Wir leben in einer (linear) schnellen Zeit, möglicherweise haben jüngere Menschen das verinnerlicht; die Abfolge: Schnelle Zeit - schnelles Geld - schnelles Glück, scheint da nur richtig - zudem recht einfach. Eine solche "Zeit" produziert eben auch Mangel - im Menschen, und er SUCHT.

Der Maler H. C. Willem meint: "Glück ist eine Sommerwiese voller Löwenzahn".
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen Zeit zum Leben, Zeit für Glück.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter http://www.gluecksspielsucht.de

CASINO-Magazin 15.05.99

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